Gebrauchtwagen für Fahranfänger

September 8th, 2009 · No Comments

Ich könnte mich immer wieder darüber aufregen, wenn Eltern zu mir kommen, um einen Gebrauchtwagen für die Kinder zu kaufen, die gerade ihren Führerschein bestanden haben. In jeder Fahrschule haben sie Autos, die nicht nur 120 bis 150 PS haben, sondern meistens auch ein Diesel oder gar Turbodiesel sind. Dann steigen die Kinder nach der Prüfung aus diesem Auto aus und müssen mit einem alten, gebrauchten 40-PS Benziner herumfahren. Dass das oft schief geht, ist den meisten nicht klar. Die Eltern glauben wohl wirklich, dass ein langsamer Gebrauchtwagen die Garantie ist, dass ein Fahranfänger keinen Unfall baut.

Dass das sehr widersinnig ist, liegt aber doch eigentlich auf der Hand. Die Fahrschüler lernen mit einem schnellen, zugstarken Auto das Fahren. Sie überholen, machen eine Überlandfahrt, fahren auf der Autobahn. Das kann innerhalb der Wochen, die bis zur Prüfung vergehen, durchaus in Fleisch und Blut übergehen. Die Freude über das eigene Auto ist groß, die Jugendlichen meinen, sie können fahren. Der Gebrauchtwagen von den Eltern wird auch gleich ausprobiert. Der festen Meinung, noch eben überholen zu können, versagen die 60 PS des alten Autos dann den Dienst. Auch das Gasgeben ist deutlich weniger effektiv. Da wird der geplante Überholvorgang zum lebensgefährlichen Risiko.

Die Eltern, denen ich das erkläre, wollen das nicht immer verstehen. Sie sind der Meinung, ich wolle ihnen ein anderes Auto aufschwatzen. Das hat zur Folge, dass sie entweder zu einem anderen Händler gehen, oder trotzdem den alten, kleinen Gebrauchtwagen kaufen, den sie ausgesucht hatten. Man ist manchmal machtlos gegen so viel Einbildung. Sie sollte aber nicht auf die Kosten der Gesundheit der Kinder gehen, die wahrlich nicht unbedingt einen Schlitten mit 150 PS brauchen. Aber das gesunde Mittelmaß wäre in Ordnung.