Im vergangenen Jahr erlebte die Automobilbranche einen wahren Boom. Gerade die Anbieter von Kleinwagen konnten sich dank der Abwrackprämie über zahlreiche Verkäufe freuen. Doch in diesem Jahr hat sich das Bild drastisch verändert. So teilte das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg am vergangenen Montag mit, dass die Zahl der Neuzulassungen für Kleinwagen im ersten Halbjahr 2010 um mehr als die Hälfte gesunken sei. Die Automobilbranche indes kann die Verluste ausgleichen, denn die Oberklassemodelle werden stärker nachgefragt. Verantwortlich dafür ist die sich erholende Konjunktur, die insbesondere Flottenfirmen und Autovermieter dazu bringt, wieder mehr Fahrzeuge zu ordern.
Bei der Kompaktklasse sank die Zahl der Neuzulassungen um 27 Prozent im Gegensatz zum Vorjahr. Dafür konnten die Modelle Audi A8, die E-Klasse von Mercedes und der 5er BMW kräftig zulegen. Allerdings heißt dies für den deutschen Automarkt noch lange nicht, dass Entwarnung gegeben werden kann. Denn insgesamt sank die Zahl der Neuzulassungen in den ersten sechs Monaten um satte 28,7 Prozent. Betrachtet man alleine den Juni diesen Jahres sind Einbrüche von einem Drittel zu vermelden.
Allerdings können die Automobilbauer ihre Einbrüche auf dem deutschen Binnenmarkt mit Hilfe des Booms aus China und den USA recht gut wieder wettmachen. Die Werke der Automobilkonzerne sind durch die steigende Nachfrage aus dem Ausland sehr gut ausgelastet. Derzeit wird sogar diskutiert, Werksferien zu verkürzen oder ganz zu streichen, sowie zusätzliche Schichten zu fahren und mehr Personal aufzubauen. Allerdings wollen die Autobauer noch keine Festanstellungen eingehen, sondern setzen eher auf Zeitarbeiter. Die Entwicklungen der kommenden Monate können noch nicht sicher genug bewertet werden, um langfristige Verpflichtungen einzugehen, heißt es.
Betrachtet man den deutschen Automarkt konnte nur BMW seinen Absatz halbwegs stabil halten. Hier wurden lediglich ein Prozent weniger Fahrzeuge in Deutschland abgesetzt. Bei Audi waren es 12,5 Prozent und bei Mercedes 6,1 Prozent weniger. Die Massenproduzenten dagegen mussten deutlich härtere Einschnitte verzeichnen. Der Absatz bei Opel sank um 39,7 Prozent, bei Ford waren es 35,1, bei Fiat 57,6 Prozent. Auch Toyotas Absatz brach um 54,9 Prozent ein. Lediglich VW konnte einen Einbruch von 22 Prozent verzeichnen, was aber vor allem an der großen Modellvielfalt liegt.
